Wieder einmal habe ich die Ehre für „Danas Japan Blog“ einen Gastartikel zu verfassen. Mal sehen ob ich den geneigten Lesern etwas Interessantes vermitteln kann.
Dieser Artikel ist ein Zusatz zu Danas Artikel über den Besuch des großen Buddha „Daibutsu“ im Tempel von Nanzoin (Teil 4.3.1 – Ausflug zum Nanzoin Tempel (Herbst 2022)). Denn nach dem Besuch der heiligen Stätte in schönstem Sonnenschein teilte sich unser kleiner Trupp auf und ich habe mit meinem Freund Tobias einen Ausflug zum nahegelegenen Staudamm „Narufuchi“ gemacht.
Auf Google Maps sah das ja nicht weit aus und der Wald sollte Schutz vor der kräftigen Sonne bieten. Also spazieren wir vom großen Buddha westwärts zum Enmeijizoson Tempel und gehen bergan nach Norden. Vorbei am alten Nanzoin Tempel, Daishido und der Kidonotaki Fudodo Statue.
Weiter geht es den Berg hinauf, über eine kleine Brücke über den Fudoga Wasserfall immer weiter in den Wald hinein. Überall stehen heilige Statuen, dies ist klar ein Ort großer religiöser Bedeutung. Immer weniger Menschen sind unterwegs, es wird friedlich und wir betreten einen beeindruckenden Bambuswald. Der Bambus ist viel mächtiger als im berühmten Bambushain in Kyotos Arashiyama Distrikt.
Viele kleine Andachtsstellen sind am Weg, doch sie sind alt und verwittert, die Geldspenden sind teils korrodiert. Auf einmal sehen wir vor uns ein ca. 70 cm großes Dachsartiges Pelztier. Es mustert uns, schnell wird beschlossen ob wir „Gefahr“, „Etwas zu essen“ oder einfach „egal“ sind. Offensichtlich letzteres, das Tier verkrümelt sich gemütlich ins Unterholz und ward nicht mehr gesehen.
Irgendwann kommen wir an eine befestigte Straße der wir westwärts folgen. Google will es so! Es sind erstaunlich viele buddhistische Tempel hier, meist unbemannt, aber mit „self-service Goshuin“ Stempeln versehen (Teil 1.1.1 – Meiji Schrein „Herbstfest“ (Herbst 2022)). Uns dämmert nun, daß wir hier auf einem echten japanischen Pilgerweg laufen. Tatsächlich ist es der Sasaguri Pilgerweg, ein dem berühmten Pilgerweg der 88 Tempel von Shikoku nachempfundener Weg von ca. 50 km Länge (Japan Experience – Sasaguri Pilgrimage). Daher haben die meisten Andachtsstellen hier eine Nummer, damit man sie in der richtigen Reihenfolge besuchen kann.





Auf dem Weg sehen wir viele alte und teils verfallene Häuser, Zitronen hängen an den Bäumen, überall genießen Katzen die Sonnenstrahlen. Das Herbstlaub ist bunt und wir sind froh, daß die Straße abwärts führt. Nebenbei finden wir die wahrscheinlich schönste öffentliche Toilette Japans (Koordinaten Google Maps). Von einem Ausblickpunkt kann man bis in die Bucht von Fukuoka schauen.




Doch der Weg führt nach Chikuzen-Yamate, wo ist denn da der Staudamm? Jawohl, der ist im Nachbartal im Westen. Wir müssen rechts abbiegen und über den Berg. Da komme ich gut ins Schwitzen. Wasser und Grüntee sind schon lange alle, aber süße Kekse vom Bahnhof geben uns Energie. Oben angekommen öffnet sich der Blick auf den Stausee und er lohnt sich. Am anderen Ufer probt irgendwer Saxophon, also können wir zur Musik hinab zum und dann über den Staudamm laufen. Die Füße tun weh und durstig bin ich auch. Aber endlich finden wir wieder einen der geliebten Getränkeautomaten. Kalter Grüntee, heißer Kaffee, wie unglaublich angenehm ist Japan.
Unten am Fuße des Staudamms machen ein paar Japaner Hochzeitsfotos und wir sehen sogar eine japanische Pilgerin im mit dem traditionellen Gewand und Strohhut.






Es wird Zeit, zum Bahnhof Chikuzen-Yamate zu gehen, die Füße sind platt und wir wollen uns in Fukuoka mit dem Rest der Gruppe treffen. Der Bahnhof (Koordinaten Google Maps) ist sehr speziell. Einspurig und in der Mitte des Tals oben auf der Bahnbrücke gelegen, muß man erst mal 4 Etagen Treppen steigen um zur Plattform zu gelangen. Das Treppenhaus ist mit vielen Kinderzeichnungen dekoriert. Ich möchte mich oben erschöpft auf eine Steinkante setzen und an einen Drahtzaun anlehnen. Moment… Da thront eine Joro Spinne (Prostituiertenspinne „Joro-Spinne“)! Das giftige, bunte Biest will man eher mit Abstand bewundern…
Also stehe ich noch etwas bis ich im Zug endlich sitzen kann. Ein schöner Ausflug findet sein Ende mit christlichen Weihnachtsgesängen auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Bahnhof Hakata. Bei über 20 °C.


Danke, daß ich wieder einen Beitrag beisteuern durfte.
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Oh dieser Ausflug ist auch sehr schön, japanische Landschaft im Dorf(auf dem Land?) in der herren Sonnenschein ☀
Wie lang seid ihr den Pilgerweg gelaufen?
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Hallo Rumiko, ich bin diesen Weg nicht gelaufen. Wir hatten uns am liegenden Buddha in zwei Gruppen aufgeteilt. Ich bin mit einem Freund zurück zur Unterkunft gefahren. Andreas und ein andrer Freund sind diesen Weg gelaufen für ein paar Stunden 🙂
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Hallo Rumiko,
wir sind nicht lange auf dem Weg gelaufen villeicht 1 bis 2 Stunden. Wir haben den Weg nur zufällig gefunden. Eigentlich wollten wir nur zum Staudamm.
Es war sehr erbaulich das ruhige Land abseits der großen Stadt zu sehen. Kyushu hat eine sehr schöne Landschaft.
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